Die zweitgrößte Stadt der USA, Los Angeles, wird ab Januar unter einer neuen Führung stehen. Laut Hochrechnungen von CNN und NBC hat die 45-jährige linke Demokratin und Stadträtin Nithya Raman die Bürgermeisterwahl gewonnen. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen setzte sie sich gegen die amtierende demokratische Bürgermeisterin Karen Bass (73) durch. Dass zwei Kandidatinnen desselben Lagers gegeneinander antraten, liegt an der kalifornischen Verfassung, die das Bürgermeisteramt als offiziell überparteilich definiert und Parteinominationen untersagt.
Raman, die im Alter von sechs Jahren aus Indien in die USA kam, bringt einen akademischen Hintergrund in Stadtplanung mit. Ihr politischer Fokus liegt insbesondere auf der Bekämpfung von Obdachlosigkeit und der akuten Wohnungsnot in der Metropole. Nachdem sie 2020 als Newcomerin in den Stadtrat einzog, erhielt sie für ihre Bürgermeisterkandidatur prominente Unterstützung durch linke Kräfte, darunter Bernie Sanders und die Democratic Socialists of America, die größte sozialistische Organisation der USA.
Die unterlegene Karen Bass, die 2022 als erste Frau in dieses Amt gewählt wurde, kritisierte Raman mangelnde Erfahrung für die Leitung der Millionenstadt. Bass verfügte über eine langjährige Karriere als Abgeordnete im kalifornischen Parlament sowie im Repräsentantenhaus in Washington. Dennoch sah sie sich zuletzt Kritik für den langsamen Wiederaufbau nach den verheerenden Bränden im Januar 2025 sowie für ihren Umgang mit diesen Naturkatastrophen ausgesetzt.
Der Wahlsieg von Raman spiegelt die anhaltenden Spannungen in Los Angeles wider, wo hohe Lebenshaltungskosten und die Obdachlosenkrise für Frust sorgen. Mit Raman folgt Los Angeles einem Trend, der bereits in New York durch den demokratischen Sozialisten Zohran Mamdani sichtbar wurde. Die Wahl markiert einen deutlichen Schritt hin zu einer progressiveren Regierungsführung in einer der wichtigsten wirtschaftlichen Zentren der Vereinigten Staaten.


